Zwei Babys übernehmen das Kommando

Knapp eine Woche nach der Entbindung war es dann soweit, unsere zwei Jungs sind bei uns eingezogen.

Als Superdaddy und –Mann hatte ich diesen Moment natürlich bestens geplant. Alle Baby-Utensilien vom Bett, über Laufstall, Wickeltisch und Mobile bis hin zu Stramplern, Mulltüchern und einer Baby-Badewanne, es war alles an seinem Platz.
Zusätzlich wurde für die Frau eine Willkommens-Girlande, ein Blumenstrauß und ein Schmuckstück besorgt.
Soweit so gut, das waren die grob planbaren Dinge und ich fühlte mich für den Start ins neue Leben gut aufgestellt.

Jetzt, so mit knapp 10 Wochen Abstand, ist ein erstes Resümee möglich, ich habe das Ziel knapp verpasst. Vorbereitung schön und gut, aber die Realität sieht dann gefühlsmäßig doch ganz anders aus.

Also alles natürlich in bester Ordnung, aber kann man sich auf diese Situation überhaupt vorbereiten?

Wer weiß am Anfang schon, wie viel ein Kind anziehen muss? Schreit es, wenn es zu kalt wird? Und wann weiß ich, dass es schwitzt, wenn es noch gar nicht richtig schwitzt!

Und warum wirkt alles so zerbrechlich? Auch der Spruch „irgendwann erkennt man am Schreien, was das Kind will“ klingt zu Beginn noch komplett verwirrend.

Und was ist das für ein Teer, der da am Hintern klebt? Dank 6 Jahren Hund kann mich geruchstechnisch kaum noch etwas erschrecken, aber die Konsistenz des Teers ist echt fies und alles unter dem kleinen Säckchen und in der Kimme sauber zu bekommen, hat uns tatsächlich gefordert.

Dann die ersten Nächte. Wenn ich bisher gehört hatte, dass Babys alle 3-4 Stunden essen möchten, dann bin ich immer davon ausgegangen, dass die restlichen knapp 2:45 Stunden zur freien Verfügung stehen und man genug Pausen nehmen kann, um den Schlaf nachzuholen.

Bis man dann feststellt, dass Wickeln plus Füttern auch gerne mal 1,5 Stunden dauert und dann das Kind auch nicht immer sofort schläft. Das Zeitfenster für Erholung, Schlaf und die restlichen persönlichen Bedürfnisse schrumpft auf ein Minimum. Und bleibt eine Pause, dann heißt es Falschen ausspülen, Müll entsorgen (Wahnsinn, was die vollkacken) und Wäsche waschen.

An dieser Stelle sei erwähnt, die Frau hat natürlich zwei Brüste, aber das heißt noch lange nicht, dass man(n) dann fein raus ist. Denn so viel Milch kann Frau in den meisten Fällen gar nicht produzieren. Daher war ich von Beginn an voll im Fütterungsprozess eingebunden, was zugegebenermaßen Vor- und Nachteile hat, weil man einfach alles machen kann, darf, muss.

Und die ersten Wochen waren für mich/uns wirklich hart. Klar, Schlafmangel wurde früher als Foltermethode benutzt, aber das war nicht mal das Schlimmste.

Für mich persönlich, und viele Väter, Mütter und Eltern werden jetzt den Kopf schütteln, war es erschreckend bei sich selbst in gewissen Momenten ein Gefühl festzustellen, dass das Leben früher eigentlich auch ganz gut war. Das geht soweit, dass man sich manchmal für den Bruchteil einer Sekunde wünscht, man hätte keine Kinder. Und für diesen Gedanken schämt man sich, auch wenn er gleich wieder verflogen ist, weil ja das Glück dieser Erde vor einem liegt. Ich hab das zu dieser Zeit auch frisch-gebackenen Eltern erzählt und die Reaktionen gingen dabei auseinander. Von „dieses Gefühl hat jeder mal“ bis hin zu „das habe ich noch nie empfunden“ war einiges dabei, aber unterm Strich spricht das keiner so gerne aus. Hört sich ja auch einfach viel zu negativ an und man müsste doch vor Glück platzen. Was bei mir auch definitiv der Fall ist, aber mit ein bisschen Abstand muss ich mir einfach eingestehen, dass beide Gefühle dazugehören. Und ich möchte für nichts in der Welt auf meine zwei Jungs verzichten, auch wenn ich sie manchmal auf den Mond schießen könnte.

Was den Schlafmangel angeht, ist es auch nach knapp 10 Wochen noch nicht optimal. Da ich den ersten Teil dieses Beitrags bereits vor 2-3 Wochen angefangen hatte, möchte ich es an dieser Stelle nicht versäumen zu erwähnen, dass den Job, den eine Frau in dieser Zeit macht unfassbar ist. Aus meiner „egoistischen“ Sicht fühlt man sich überfordert, müde, ausgelaugt… Aber für kein Geld der Welt möchte ich mit der Frau tauschen. Davor ziehe ich wirklich den Hut!

Was an Woche 10 ganz schön ist, der letzte sogenannte „Sprung“ ist überstanden. Der Sprung was? Dazu beim nächsten Mal mehr…

Motto der ersten Zeit: A bisserl was geht immer ….

Advertisements

Einsamkeit, ein seltsames Gefühl 

Kurzer Beitrag: gestern Vormittag haben Frau und Kinder das Haus verlassen, um bei den Schwiegereltern eine gute Woche zu verbringen. Zum einen hat sie dann täglich 24 Stunden Unterstützung, die ich während der Arbeit nicht geben kann, und zum anderen kann ich auch mal wieder ordentlich schlafen…

Aber was ist das für ein Gefühl? Die Ruhe auf der Couch müsste mich begeistern und zufrieden machen, aber es fühlt sich irgendwie komisch an. Es ist auch seltsam, keine Aufgaben zu haben. Keine Fläschchen zum Ausspülen, kein Wickeln, kein geduldig sein müssen und auch keine Frau, die einen dazu drängt etwas zu erledigen. Aber auf eine gewisse Art und Weise fehlt es mir schon nach nur einem Tag und man vermisst es. Und weil man so hin und hergerissen ist, fühlt man sich etwas unbehaglich. Und auch diese Gefühlslage wiederum ist nervig, weil man sich darüber ärgert, es nicht mehr genießen zu können…

Also sag mir noch mal einer, Papa zu sein sei leicht!

Rückblick – Wie ich auf einmal zum Double-Daddy wurde

Okay, die Geburt meiner zwei Söhne ist bereits ein paar Wochen her, am 08. Juli 2016 haben die beiden das Licht der Welt erblickt, aber die letzten Wochen und Monate waren beruflich wie privat einfach zu turbulent.

Das soll aber keine Ausrede sein, manchmal hatte ich auch einfach keine Lust oder, um es vorwegzunehmen, war schlichtweg zu müde.

Aber der Reihe nach, damit dieses Ereignis nicht ganz in Vergessenheit gerät, jetzt die bleibenden Erinnerungen bevor zu viel verblasst:

Unsere ursprüngliche Planung der Geburt war eigentlich eine Woche später, denn ab Woche 37+0 gelten Zwillinge eben nicht mehr als Frühchen und können geholt bzw. eingeleitet werden.

Grund für unsere Eile war, dass Frau langsam genug von den Schwangerschaftsbeschwerden hatte. Man stelle sich den Leistungsmarsch bei der Bundeswehr vor (15kg Gepäck, Länge 12 km), nehme das Gepäck mal zwei und kann sich dann ungefähr vorstellen, was Frau in wenigen Wochen und Monaten plötzlich „mehr“ mit sich herumschleppen muss. Kurze Anmerkung, damals beim Wehrdienst hatte ich immer dubiose Fußverletzungen und konnte am Leistungsmarsch leider nicht teilnehmen.

Soweit so gut, diese Planung stand und auch wenn es dann keine Spontangeburt werden würde, war der Gedanke für mich in Ordnung. Zumal man einfach absehen konnte, wann die Kleinen endlich zur Welt kommen.

Aber wie so oft im Leben kann man nicht alles planen. Eine gute Woche davor bekomme ich einen Anruf auf dem Handy: „Schatz, bei der Routine-Untersuchung hat der Frauenarzt die Empfehlung abgegeben, jetzt direkt ins Krankenhaus zu fahren. Erstens ist der Blutdruck erhöht, was auf eine Schwangerschaftsvergiftung hindeutet und zweitens haben sich die beiden gewichtsmäßig unterschiedlich entwickelt.“

Was war das für ein Gefühl? Jetzt also doch spontan? Ich muss doch noch was im Büro erledigen? Bleib ruhig, aber was mach ich jetzt? Muss ich noch etwas erledigen? Stimmt zu Hause alles, wenn die Kleinen kommen?

So richtig kann ich auch im Nachhinein die Gefühlswelt von damals nicht einordnen. So ein Mix aus absoluter Freude, ein bisschen Angst und jede Mengen Unwissenheit vermutlich. Ist halt doch was anderes als der Routine-Einkauf samstags im Marktkauf, wo ich genau weiß, was wo wie zu besorgen ist.

Zeitraffer an: Tag der Einweisung, nichts passiert, Frau bleibt über Nacht und ich fahre nach Hause.

Am nächsten Morgen gegen 10.00 Uhr wollten wir sprechen, ob ich dann doch wieder ins Büro gehen kann/soll oder ob es losgeht. Um 9.30 klingelt das Telefon: „Es wäre gut, wenn du JETZT kommen würdest, ich hab die ersten Einleitungstabletten erhalten“.

Als ich dann im Krankenhaus angekommen bin, entwickelt sich dann der wohl schönste, aber gefühlt auch längste Tag meines Lebens.

Die Schwarzwälder Kuckucks-Uhr meiner Großeltern hatte mich damals mit dem monotonen Tick-Tack Tick-Tack komplett fertig gemacht. Aber der Wechsel zwischen CTG, Warten, CTG, Warten und die Ungewissheit, was jetzt wohl auf einen zukommen mag, hat den Tag in die Länge gezogen wie Kaugummi. Da war die geplatzte Fruchtblase gegen Abend schon fast eine Erleichterung, so im Rückblick.

Die Nacht, übrigens Halbfinale Frankreich gegen Deutschland, nahm dann langsam mit einsetzenden Wehen an Fahrt auf und der Kreißsaal füllte sich langsam mit Schwestern und Ärzten. Die PDA war für alle eine echte Erleichterung, für die Frau aber die Größte.

Um Mitternacht rum waren wir dann eigentlich soweit, Muttermund komplett offen, ready for rumble… Aber die Kleinen hatten es nicht wirklich eilig.

Waren die Schmerzen während der Wehen vermutlich unerträglich, entwickeln sich die Presswehen gegen 2.00 Uhr auch zu einem kleinen Problem. Als Mann hat man es schon gut. „Du schaffst das Schatz“, ein leichtes Drücken gegen die Füße und final dann am Kopf zu stehen, ist beileibe zu ertragen. Wobei mich die gesamte Situation und auch die Tatsache, selbst nicht wirklich etwas aktiv beitragen zu können, mental wie körperlich auch sehr geschlaucht haben.

Um 4.37 und 5.08 war es soweit, das Wunder der Welt war da, alle gesund und munter, Frau war am Ende, ich war am Ende, aber überglücklich.

Persönliche Highlights:

  • die Intensität des Moments macht es zwar anstrengend, aber dadurch auch ein Stück weit einzigartig
  • diesen Moment mit seiner Frau zu teilen, ist überragend
  • sich im Krankenhaus geborgen zu fühlen, dafür kann man einfach dankbar sein
  • das Gefühl, den eigenen Sohn, also beide, das erste Mal auf dem Arm zu halten, ist überwältigend und gleichzeitig surreal
  • die Probleme dieser Welt verschwinden mal für einen Augenblick
  • in diesem klitzekleinen Krümel unserer Lebenszeit, wenn das Baby die Schwelle übertritt, verändert das dein Leben komplett
  • berufliche Erfolge, private Errungenschaften, dein Haus, dein Auto, dein Bankkonto spielt einfach keine Rolle mehr, du hast das BESTE geschafft

Weitere Highlights (scherzhaft)

  • Frankreich-Deutschland im Kreißsaal (das war nicht meine Idee!)
  • der Krankenhausboden ist auch ganz bequem, nach dem ersten Sohn musste ich mich mal kurz ablegen. Wobei ich immer noch sicher bin, es wäre auch so gegangen. Aber nachdem ich meiner Frau „mir wird es ein bisschen komisch“ zugeflüstert hatte, wurde ich quasi dazu genötigt!

In diesem Sinne, die ersten 8 Wochen coming soon (dafür wären noch 2 Wochen Zeit!)

Momentaufnahme SSW 31 – Checkliste

Ich bin wohl mehr der struktuierte Typ Mensch. Tage werden zeitlich geplant, To Do’s werden aufgelistet und Projekte werden durchgeplant.

Aber wie groß, vielschichtig und kompliziert ist denn eigentlich dieses Projekt: Erstaustattung Baby?

Klar, Kinderwagen, Maxi Cosi, Laufstall und viele weitere Dinge sind augenscheinlich direkt nach der Geburt notwendig. Soweit komme ich schon mit.

Und natürlich benötigt das Baby auch etwas zum Anziehen. Wobei es da schon wieder etwas komplizierter wird. Body, Strampler, Shirts, Höschen, Socken, Mütze, Kappe, Schlafsack… Es gibt so viele Alternativen und woher soll ich wissen, was notwendig ist?

Woran merke ich, dass einem Baby warm oder kalt ist? Zeichensprache könnte schwierig werden…

Was zum Himmel sind Molton- und Mull-Tücher? Ich hab zwar bei meiner Schwester auch immer diese „Spucktücher“ gesehen, die beim Stillen, Füttern und auch so im Alltag im Einsatz waren, aber was ist was? Und wie viele davon?

Dann geht’s in die Hygiene-Abteilung. Baby-Nagelschere (Haben die tatsächlich schon wachsende Nägel?), Baby-Bürste (sind da vorne Wattepads anstatt Borsten?), Windeleimer (aber ja der richtige, der geruchsneutrale!) und natürlich Feuchttücher (die sind wohl essentiell in der ersten Phase). Wer soll da noch Durchblicken?

Auch bei der Wahl der richtigen Trinkflasche gibt es so viele Optionen, das ist eine ganz eigene Mathematik, die ich nicht verstehen kann. Größe, Material, Zweck und vieles mehr… Trinken Babys denn am Anfang nur Milch oder brauchen die auch schon Tee? Aus Erzählungen kann ich mich daran erinnern, dass ich immer Tee gegen Blähungen trinken sollte, damit ich endlich mal durchschlafe.

Und beim Kinderwagen wird es dann richtig wild! Okay, für Zwillinge ist die Auswahl schon etwas eingeschränkter. Aber trotzdem gibt es unglaublich viele Varianten und jede verspricht für sich, das Beste für das Baby und die Eltern zu sein. Was das angeht, waren wir dann aber doch eher pragmatisch. Welcher Kinderwagen ist der Leichteste, welcher hat das kleinste Format im zusammengeklappten Zustand, mit welchem Kinderwagen kann man auch mal einen Feldweg entlang gehen (Thema Hund) und was sieht am Ende des Tages auch noch einigermaßen schick aus. Kurzum, wir haben den Teuersten genommen, der aber einen guten Wiederverkaufswert haben wird.

Und selbst wenn man für sich entschieden hat, recht entspannt zu bleiben, denn die Generationen vor uns haben die Kinder ja auch groß bekommen. Die Baby-Versorger-Mafia-Industrie will einem ganz andere Dinge weismachen und spielt geschickt mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Babys. Denn eines ist sicher. Geld spielt keine Rolle mehr, wenn es um die Kleinen geht.

Alles gar nicht so einfach, aber am Ende ist es so wie mit den meisten Projekten. Wird es zeitlich erstmal knapp, dann findet man die Lösungen. Oder muss halt hinterher nachbessern.

PS: Für den werdenden Papa gab es letzte Woche auch noch eine neue Ausstattung. Ein neues Auto, aber dazu demnächst mehr!

Momentaufnahme SSW 30 – Doppeltes Glück

Bereits seit gut 6 Monaten steht fest, es gibt Nachwuchs.

Beim ersten Ultraschall haben wir damals noch gewitzelt, wie lustig es doch wäre, wenn gleich Zwillinge kommen würden.

Vor dem Hintergrund, dass wir beide bereits Ü35 sind, ist das natürlich nicht die schlechteste Alternative, wenn man sowieso 2 Kinder haben wollte.

Trotzdem kann man nicht behaupten, dass der erste Gedanke voll von Glück, Liebe und Freude war als uns die Frauenärztin mitteilte, dass da zwei Herzchen schlagen.

Ich kann mich noch recht gut daran erinnern, dass dieser Moment natürlich schon sehr freudig war, aber es haben sich auch gleich Zweifel, Ängste und viele Fragen in meine Gefühlswelt eingemischt!

Vor meinem geistigen Auge zieht mein gemütliches Leben an mir vorbei.

  • Mittagscouch am Wochenende
  • Gemütliche Fußball-TV-Abende
  • Freie Wochenenden
  • Sport
  • Freunde treffen

Ja, und das sind vermutlich nur einige Dinge, die sich in den nächsten Monaten wohl gravierend ändern werden.

Aber was soll ich schreiben? Es wird vermutlich eine brutale Zeit mit wenig Schlaf, es wird definitiv die Nerven belasten. Die Beziehung zur Frau und alles was dazu gehört, wird sich erstmal komplett ändern.

Es wird trotzdem das Beste sein, was mir je in meinem Leben passieren konnte!